Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, will sich im Dezember 2026 selbst zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Der 35-Jährige kündigte am 29. September 2026 nach einer Fraktionssitzung in Magdeburg an, sich „nach aktuellem Stand“ in der Dezember-Sitzung des Landtags zur Wahl zu stellen. Diese Sitzung ist für den 15., 16. oder 17. Dezember 2026 angesetzt. Sein Vorstoß ist das bestimmende politische Thema, weil er die Frage aufwirft, ob die AfD in Sachsen-Anhalt erstmals einen Ministerpräsidenten stellen könnte – möglicherweise mit Stimmen oder Enthaltungen aus anderen Fraktionen.
Bei der Landtagswahl Anfang September 2026 erhielt die AfD 39 der 83 Sitze, was knapp 44 Prozent der Stimmen entspricht. Für eine absolute Mehrheit in den ersten beiden Wahlgängen sind 42 Stimmen nötig, sodass Siegmund mindestens drei Stimmen aus anderen Fraktionen fehlen. Die übrigen Sitze verteilen sich auf CDU, Linke, Grüne, SPD und BSW. CDU, Linke, Grüne und SPD kommen zusammen ebenfalls auf 39 Sitze, das BSW auf fünf. Keine der beiden großen Gruppierungen erreicht also allein die notwendige Mehrheit.
Für die ersten beiden Wahlgänge der Ministerpräsidentenwahl ist die absolute Mehrheit der Mitglieder des Landtags erforderlich, also mindestens 42 Stimmen. Im dritten Wahlgang genügt dagegen die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, wobei Enthaltungen dann nicht mitgezählt werden. Seit einer Verfassungsänderung im Jahr 2020 gilt keine 14-Tage-Frist mehr für den ersten Wahlgang. Diese Regelung kann im entscheidenden dritten Durchgang eine Rolle spielen, weil sich damit die Mehrheitsverhältnisse verschieben können.
Siegmund nannte den 15., 16. oder 17. Dezember 2026 als mögliche Termine für seine Wahl und sagte, er erwarte eine Mehrheit schon im ersten Wahlgang. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung und des MDR kündigte er am 29. September 2026 an, sich „nach aktuellem Stand“ zur Wahl zu stellen. Er erklärte zudem: „Ich würde ja nicht in die Wahl des Ministerpräsidenten hineingehen, wenn ich die Stabilität nicht vorher als Gewissheit hätte.“ Ob diese Gewissheit tatsächlich besteht, ist bislang nicht belegt.
Vor der Landtagswahl hatte Siegmund mehrfach ausgeschlossen, ohne eigene Mehrheit zu regieren. Nach der Wahl folgte ein Kurswechsel: Er sagte, man regiere „natürlich auch bei einer Stimme mehr“. Eine „klassische Minderheitsregierung“ werde es aber nicht geben, so Siegmund. Handelsblatt und Spiegel sehen in diesem Wandel einen Bruch seines „ersten AfD-Versprechens“ beziehungsweise fragen, ob er bei der Wahl blufft. Damit steht die Frage im Raum, wie belastbar seine früheren Zusagen sind.
Die fünf BSW-Abgeordneten wollen sich im entscheidenden Wahlgang enthalten. Bei 39 Ja-Stimmen der AfD und 39 Gegenstimmen der übrigen Fraktionen entstünde damit ein Patt von 39 zu 39. Laut einer Prüfung des WDR genügen die BSW-Enthaltungen allein jedoch nicht, um Siegmund zu wählen. Mindestens ein weiterer Abgeordneter müsste für Siegmund stimmen oder sich ebenfalls enthalten. Ohne eine solche zusätzliche Stimme oder Enthaltung käme im dritten Wahlgang keine Mehrheit für ihn zustande.
SPD, Grüne, Linke und BSW trafen sich am 29. September 2026 zu Gesprächen über einen überparteilichen Ministerpräsidenten-Kandidaten. Die CDU lehnte eine Teilnahme an diesem Treffen ab. Nach rund 90 Minuten war klar, dass ohne die CDU keine Aussicht auf Erfolg bestand. Das BSW bestand darauf, die AfD in die Gespräche einzubinden. Damit zeichnete sich ab, dass eine gemeinsame Alternative zu Siegmund ohne die CDU nicht zustande kommt.
Die 15 CDU-Abgeordneten im Landtag haben einen Seitenwechsel zur AfD zuletzt ausgeschlossen. Damit fehlt Siegmund eine naheliegende Quelle für die zusätzlichen Stimmen, die er für eine absolute Mehrheit in den ersten beiden Wahlgängen bräuchte. Ob einzelne Abgeordnete ihre Haltung ändern, ist nicht bekannt. Die CDU bleibt damit vorerst bei ihrer ablehnenden Position gegenüber einer Zusammenarbeit mit der AfD in dieser Frage.
Sachsen-Anhalts scheidender Staatskanzleichef Rainer Robra von der CDU warnte am 2. Oktober 2026, eine AfD-geführte Landesregierung werde „mittel- und langfristig“ scheitern. Bis zur Wahl bleibt Sven Schulze von der CDU geschäftsführend im Amt. Robra äußerte damit eine Prognose, die sich auf die erwartete Stabilität einer solchen Regierung bezieht. Ob diese Einschätzung zutrifft, lässt sich erst nach einer möglichen Regierungsbildung beurteilen.
Die konstituierende Sitzung des neuen Landtags von Sachsen-Anhalt ist für den 6. Oktober 2026 vorgesehen. Bei dieser Sitzung wird unter anderem das Präsidium des Landtags gewählt. Die AfD hat Tobias Rausch, den 35-jährigen parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion, einstimmig für das Amt des Landtagspräsidenten nominiert. Die Wahl des Ministerpräsidenten ist dagegen erst für Dezember 2026 angesetzt.
Der Westen berichtete über Siegmunds Umfeld und nannte dabei frühere Funktionäre der HDJ, der Jungen Alternative nahestehenden Jugendorganisation. Solche Berichte ordnen Personen aus seinem Umfeld ein, die möglicherweise Einfluss auf seine Politik nehmen könnten. Konkrete Auswirkungen auf die Ministerpräsidentenwahl sind daraus bislang nicht abzuleiten. Die Berichterstattung ist Teil der öffentlichen Debatte über die personelle Aufstellung der AfD in Sachsen-Anhalt.
Weil weder die AfD noch die übrigen Fraktionen in den ersten beiden Wahlgängen die erforderlichen 42 Stimmen erreichen dürften, kommt dem dritten Wahlgang besondere Bedeutung zu. Dort genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, und Enthaltungen zählen nicht mit. Das senkt die Hürde für Siegmund, sofern sich genügend Abgeordnete enthalten oder für ihn stimmen. Die BSW-Fraktion hat bereits angekündigt, sich enthalten zu wollen, was diesen Weg theoretisch eröffnen könnte.
Enthaltungen wirken im dritten Wahlgang anders als in den ersten beiden Durchgängen, weil sie bei der Berechnung der Mehrheit der abgegebenen Stimmen nicht berücksichtigt werden. Wenn sich die fünf BSW-Abgeordneten enthalten, verringert sich rechnerisch die Zahl der Stimmen, die für eine Mehrheit nötig sind. Laut WDR-Prüfung reicht das allein aber nicht aus, um bei 39 Gegenstimmen eine Mehrheit für Siegmund zu erreichen. Es müsste mindestens ein weiterer Abgeordneter für ihn stimmen oder sich ebenfalls enthalten.
Siegmund sagt, er würde nur in die Wahl gehen, wenn er die Stabilität vorher als Gewissheit hätte. Kritiker bezweifeln das, weil eine Regierung ohne eigene Mehrheit im Landtag von wechselnden Mehrheiten abhängig wäre. Eine „klassische Minderheitsregierung“ schließt Siegmund zwar aus, doch wie er eine stabile Mehrheit dauerhaft sichern will, ist öffentlich nicht dargelegt. Die Frage nach der Stabilität ist damit ein zentraler Streitpunkt der Debatte.
Sollte Siegmund im Dezember 2026 zum Ministerpräsidenten gewählt werden, wäre er der erste AfD-Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt und bundesweit einer der ersten. Das hätte Auswirkungen auf die politische Debatte und die Zusammenarbeit der Parteien im Land. Ob es dazu kommt, hängt vor allem davon ab, ob er im dritten Wahlgang genügend Stimmen oder Enthaltungen erhält. Die kommenden Wochen bis zur Dezember-Sitzung gelten daher als entscheidende Phase.
SPD, Grüne und Linke haben gemeinsam mit dem BSW über einen überparteilichen Kandidaten beraten, um eine AfD-Regierung zu verhindern. Die CDU lehnt eine Teilnahme an solchen Gesprächen ab und schließt einen Seitenwechsel zur AfD aus. Das BSW wiederum will die AfD einbinden und sich im Wahlgang enthalten. Diese unterschiedlichen Haltungen zeigen, dass es derzeit keine gemeinsame Strategie gegen Siegmund gibt.
Der Landtag konstituiert sich am 6. Oktober 2026 und wählt dabei sein Präsidium. Die Ministerpräsidentenwahl ist für den 15., 16. oder 17. Dezember 2026 vorgesehen. Zwischen diesen Terminen liegen rund zwei Monate, in denen Gespräche und Verhandlungen stattfinden können. Bis dahin bleibt Sven Schulze von der CDU geschäftsführend im Amt. Der genaue Ablauf der Dezember-Sitzung steht noch nicht fest.
Siegmund hat erklärt, er erwarte eine Mehrheit schon im ersten Wahlgang. Sollte das eintreten, bräuchte er mindestens 42 Stimmen, also mindestens drei Stimmen aus anderen Fraktionen. Ein solcher Erfolg würde bedeuten, dass Abgeordnete entgegen ihren bisherigen Ankündigungen für ihn stimmen. Bislang gibt es dafür keine öffentlichen Anzeichen. Die Ankündigung Siegmunds ist daher bislang eine Erwartung, keine bestätigte Tatsache.
Ob Siegmund im Dezember tatsächlich zum Ministerpräsidenten gewählt wird, ist offen, weil die notwendigen Stimmen aus anderen Fraktionen bislang nicht erkennbar sind. Ebenso unklar ist, ob einzelne Abgeordnete ihre angekündigte Haltung ändern werden. Die Berichterstattung von MDR, Süddeutscher Zeitung, Handelsblatt und Spiegel begleitet die Entwicklung und ordnet die Aussagen ein. Die kommenden Wochen bis zur Dezember-Sitzung dürften zeigen, ob sich die Mehrheitsverhältnisse verschieben.
Ulrich Siegmund ist derzeit das bestimmende politische Thema in Sachsen-Anhalt, weil er sich im Dezember selbst zum Ministerpräsidenten wählen lassen will. Sein Vorstoß wirft die Frage auf, ob die AfD mit Stimmen oder Enthaltungen aus anderen Fraktionen erstmals einen Ministerpräsidenten stellen könnte. Zugleich hat er mit seinem Kurswechsel ein zentrales Wahlversprechen aufgegeben, was ihm Kritik einträgt. Die Entscheidung fällt voraussichtlich im dritten Wahlgang, in dem die Mehrheit der abgegebenen Stimmen genügt.